Seltsame Begegnung im Schwenower Forst

Im FFH-Gebiet Schwenower Forst lief mir neulich ein äußerst bizarr anmutendes Wesen über den Weg. Der Kopf mit seinen mächtigen Mandibeln, ähnelte einer übergroßen Soldatenameise, aus dem Amazonasregenwald. Der gepanzerte Thorax hingegen und die Flügeldecken hatten eher etwas von einem Käfer. Die kräftigen Vorderbeine erinnerten an eine Gottesanbeterin. Als das Wesen registrierte, dass es beobachtet wurde, reckte es sein Abdomen (Hinterteil), drohend in die Höhe, wie ein kampfbereiter Skorpion seinen Schwanz.

Das Wesen, das zunächst wie eine revolutionäre Kreuzung zwischen verschiedensten Insektentaxa aussah – was nebenbei bemerkt biologisch unmöglich ist – ist in Wahrheit ein Schwarzer Moderkäfer (Ocypus olens). Mit einer Körperlänge von über 30mm handelt es sich hierbei um den größten Kurzflügler Mitteleuropas. Seine Hinterflügel sind auf komplizierte Art gefaltet und unter den kleinen schwarzen Deckflügeln verborgen.

Dieser wehrhafte Raubkäfer lebt vor allem in geschlossenen Wäldern, aber auch in Gärten und Gebirgsregionen. In selbst gegrabenen Erdhöhlen lauernd, fängt er mit seinen kräftigen Vorderbeiden vorbeilaufende Insekten, Spinnen und andere Wirbellose. Diese werden mit seinen mächtigen und scharfen Mandibeln zerkleinert und so lange gekaut und geknetet, bis eine breiige Pille daraus entsteht, die dann Stück für Stück geschluckt wird. Doch nicht nur Nacktschnecken, Asseln und Co. sollten sich vor ihm in Acht nehmen, sondern auch für Menschen kann dieses Kerlchen unangenehm werden, wenn man es reizt. Seine starken messerscharfen Mandibeln können problemlos blutende Schnitte in der menschlichen Haut verursachen. Wenn sein skorpionähnlich aufgerichtetes Hinterteil auch keinen Stachel besitzt, ist es dafür mit Drüsen ausgestattet, die ein stinkendes, ätzendes Sekret auf den Gegner schießen können. Dies brachte ihm seinen lateinischen Namen "Ocypus olens" ein, was übersetzt „stinkender Kurzflügelkäfer“ heißt.

Die vielen Namen, die er bekam, sprechen dafür, dass er in mittelalterlichen Dörfern und Städten recht häufig vorgekommen sein musste. Als Moderkäfer bezeichnete  man ihn, da er sich auch an Aas heranmachte. Häufig wurde dieses schwarze Insekt mit dem Teufel in Verbindung gebracht. So war er in England auch als des Teufels Kutschengaul („the Devil’s coach horse“) bekannt. In Irland glaubte man, der Teufel nehme zeitweise sogar die Gestalt des Moderkäfers an. Wer ihn traf, musste in jedem Fall mit drohendem Unheil rechnen.

Doch diese unheimlichen Tiere und seine Larven können sich auch als Segen erweisen. Zum Beispiel,  wenn es um biologische Schädlingsbekämpfung geht. Besonders Nacktschnecken und Raupen halten sie effizient in Schach. Unfälle mit Menschen kommen höchstens vor, wenn man mit bloßen Händen im Kompost wühlt, oder die Tiere vorsätzlich ärgert.

FFH-Gebiet Schwenower Forst

Gebiet

  • Naturpark Dahme-Heideseen

Kategorien

  • Natura 2000