Forsthaus Prösa – Alte Eichen, junge Heide

Das 3.798 Hektar große Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Forsthaus Prösa“  wird durch ein ausgedehntes Waldgebiet geprägt, in das zwei große, landschaftlich außerordentlich reizvolle Heideflächen einbetten sind. Das FFH-Gebiet überschneidet sich zum größten Teil mit dem gleichnamigen Naturschutzgebiet und liegt gut erreichbar im Zentrum des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaften.

Besonders schützenswert sind die ausgedehnten und alten Bestände beerenreicher Kiefern-Traubeneichenmischwälder (Lebensraumtyp 9190) und bodensaurer Fichtenwälder (LRT 9410), die neben Kiefernforsten die Waldflächen prägen. In diesen Waldgebieten läuft seit 2011 das Auerhuhn-Wiederansiedlungsprojekt. Das Auswildern schwedischer Tiere hat zum Ziel, eine sich selbst erhaltende Population dieser imposanten und in der Niederlausitz einst weit verbreiteten Charaktervögel wieder zu etablieren. Erste Erfolge sind schon jetzt zu vermelden. Darüber hinaus bieten die Waldflächen seltenen und anspruchsvollen Käferarten wie dem Hirschkäfer und dem Eremit (Juchtenkäfer) einen Lebensraum.

Ab den 1960er Jahren musste ein Teil des Waldes jedoch einem Truppenübungsplatz der NVA weichen. Zuerst entstand ein Schießplatz, dann folgte ein taktisches Übungsgelände. Bis 1988 wurden hier militärische Übungen abgehalten, wobei in Folge der Schießübungen mitunter Feuer ausbrach. Auch die Trassen, die für schweres militärisches Gerät angelegt wurden, veränderten die Natur. Mehrere 100 Hektar Wald wurden abgeholzt und über Jahrzehnte offengehalten. Dadurch entstand eine Heidelandschaft des 20. Jahrhunderts, in der sich besonders wertvolle Lebensräume wie trockene europäischen Heiden (LRT 4030), Trockenrasen (LRT 2330) und Binnendünen (LRT 2310) ausbildeten.

Diese Heide mit ihrem Reichtum an seltenen, speziell an diesen nährstoffarmen Standort angepassten Tier- und Pflanzenarten wie Besenheide und Ameisenbläuling war Namensgeber für den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Doch die Offenflächen sind pflegebedürftig.  Im „Forsthaus Prösa“ endete mit der militärischen Nutzung auch das automatische Heidemanagement. Durch natürliche Wiederbewaldung – Birken und Kiefern wachsen auf – schrumpfen die Heiden. Nährstoffeinträge aus Industrie, Landwirtschaft und Verkehr düngen sie, wodurch die genügsamen, aber konkurrenzschwachen charakteristischen Tier- und Pflanzenarten verdrängt werden. Gleich zwei Probleme machen es schwer, diesen Prozess zu stoppen: die Munitionsbelastung der Flächen und die leeren öffentlichen Kassen, die anhaltende Pflegemaßnahmen kaum finanzieren können. Doch 2009 konnte der Naturpark mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) einen starken Partner gewinnen, der sich langfristig für den Erhalt der Heideflächen einsetzt. Dadurch konnten in einem Pilotprojekt zeitgemäße und kostengünstige Lösungen zum dauerhaften Erhalt der Heideflächen entwickelt werden. Als optimale Nutzung kristallisierte sich dabei eine Beweidung der Heideflächen mit genügsamen Schafrassen wie der Heidschnucke heraus, die ab und zu durch die Mahd überalterter Heidebestände mit einem speziell geschützten Mähwagen ergänzt wird. So kann die Strukturvielfalt, die Schönheit und der Reichtum der hier heimischen Tier- und Pflanzenwelt bewahrt werden.

Auf sechs Rundwanderwegen mit 2,5 bis 6,5 Kilometer Länge, können Wanderer und Radfahrer das Naturschutzgebiet erleben. Starten kann man an Waldparkplätzen in Dobra, Theisa, Friedersdorf, Oppelhain, Hohenleipisch und Kraupa. Ab Ende Mai können Sie dabei auch den Heidschnucken bei der Landschaftspflege zusehen. Besonders reizvoll sind natürlich Touren im August und September in die violett blühende Heide. Auch eine Fahrt mit dem Kremser bietet sich an. Doch gleich, für welche Fortbewegungsart man sich entscheidet, es lohnt, mit wachen Sinnen unterwegs zu sein. Denn es gibt viel zu entdecken.

Steckbrief des Bundesamtes für Naturschutz

Adresse

04924 Bad Liebenwerda

Gebiet

  • Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft

Kategorien

  • FFH-Gebiet