Gräbendorfer Geschichte und Geschichten

Am Sonntag, den 24. April 2022, lud Natur- und Landschaftsführerin Kirsten Heidler zu einer Wanderung in und um Gräbendorf im Naturpark Dahme-Heideseen ein.

Die Tour führte schließlich zum Weinberg. Erste historische Belege für die Existenz eines Weinbergs unweit von Gräbendorf reichen bis in das Jahr 1679 zurück. Nach einer wechselvollen Eigentümergeschichte erwarb Prinz Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen das Gut Gräbendorf 1888 nebst Weinberg und ließ dieses ab 1890 durch einen Administrator verwalten. Der geplante Tonabbau und die Ziegelindustrie waren jedoch wenig ergiebig. Allerdings zeugen noch heute Tonseen von der Industrie. Auf dem Gelände des historischen Weinbergs überraschte eine historische Villa aus amerikanischen Zedernholz die Wanderer. Das transportable Landhaus wurde 1888/89 von Leutnant Fink aufgebaut. Es stammt ursprünglich aus Canada. Im Park der Villa wurde eine aufwändige Bewässerungstechnik installiert und Terrassen für Weinreben errichtet. In der Folgejahren wechselte der Weinberg erneut des Öfteren den Besitzer. Eine längerfristige Nutzung als Weinberg ist nicht belegt. Seit dem Jahre 2018 wird unweit des historischen Weinbergs wieder Wein kultiviert. Mit Hilfe der Flächenagentur Brandenburg GmbH pflanzten die Gärtnerinnen und Gärtner der Mosaik-Berlin gGmbH 2.100 Reben und knüpften damit wieder an die fast schon vergessene Tradition an. 2021 konnte die erste Traubenernte eingefahren werden. Neben der Anlage des Weinbergs wurde unterhalb der Reben mit der Pflanzung von hochstämmigen Obstbäumen eine Streuobstwiese angelegt. Auch Freiflächen an der Villa Fink wurden unter ökologischen Gesichtspunkten aufgewertet. Durch die extensive Bewirtschaftung werden auch Ackerwildkräuter gefördert, die heute zu der am stärksten bedrohten Pflanzengruppe unserer Kulturlandschaft gehören.

Während kleinerer Pausen las Kirsten Heidler unterhaltsame Geschichten vor und erläuterte den Volksbrauch des Osterwassers. Die Tradition des Osterwassers entstammt einem heidnischen Brauch zu Ehren der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera. Diesem Brauch zufolge hat Osterwasser eine heilende und belebende Wirkung. Der Tradition nach machten sich die Menschen in der Osternacht, noch vor Sonnenaufgang, auf den Weg zu einem Bach oder einer Quelle, um Osterwasser zu schöpfen. Vor allem junge Frauen erhofften sich durch dessen Wirkung ewige Jugend und Schönheit. Auf dem Hin- und Rückweg mussten die Mädchen allerdings schweigen, sonst verlor das Wasser seine Wirkung.

Gebiet

  • Naturpark Dahme-Heideseen

Meldung vom 25.04.2022