Rückkehr einer seltenen Art

Im Naturpark Dahme‑Heideseen wurde erstmals eine Europäische Wildkatze (Felis silvestris) genetisch bestätigt. Der Nachweis stammt aus dem seit Anfang 2022 laufenden Wildkatzen‑Monitoring und zeigt: Der waldreiche Naturpark bietet geeignete Lebensraumbedingungen für diese streng geschützte Art.

Im Rahmen des Monitorings wurden an einem mit Lockstoff präparierten Lockstab bei Briesen Haare gesichert. Die genetische Untersuchung im wildtiergenetischen Labor bestätigte nun die Artzugehörigkeit eindeutig – es handelt sich um eine Europäische Wildkatze. Der Fund entspricht einem C1‑Nachweis (Genotyp). Weitere Analysen sollen klären, ob es sich um einen Kuder (Kater) oder um ein weibliches Tier handelt.

 

Seit 2022 untersucht die Naturparkverwaltung gemeinsam mit der Naturwacht und mit Unterstützung ehrenamtlicher Personen, ob die Europäische Wildkatze im Gebiet vorkommt. Auch der Bundesforstbetrieb beteiligte sich auf der Naturerbefläche Streganz am Monitoring. Belastbare Nachweise sind für den Artenschutz und die Berichtspflichten nach der Flora‑Fauna‑Habitat‑Richtlinie (FFH‑Richtlinie) von hoher Bedeutung. Die EU‑Richtlinie legt europaweit verbindliche Standards für den Schutz von Arten und Lebensräumen fest und bildet die Grundlage des Natura 2000‑Netzes.

Die eingesetzte Methode kommt ohne Fang, Markierung oder andere Eingriffe aus und belastet die Tiere nicht. 

 

Im südlichen Bereich des Naturparks wurden insgesamt elf Lockstäbe mit Baldrianessenz präpariert. Wildkatzen reagieren auf den Duft, reiben sich an den angerauten Hölzern und hinterlassen dabei Haare für die genetische Analyse.

 

Zwischen Februar und April werden die Lockstäbe wöchentlich kontrolliert: Lockstoff wird erneuert, Proben eindeutig gekennzeichnet und an ein wildtiergenetisches Labor übergeben. Zum Schutz der Tiere werden keine exakten Fundpunkte veröffentlicht.

 

Neben dem genetisch bestätigten Fund wurde durch einen Jäger an einem weiteren Lockstab bei Teurow ein Videonachweis einer Katze dokumentiert, ohne dass Haare gesichert werden konnten.

 

Der Naturpark Dahme‑Heideseen bietet der Wildkatze mit seinen großen Waldflächen ein geeignetes Lebensumfeld mit ausreichend Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten. Als Indikatorart belegt ihr Vorkommen die hohe ökologische Qualität und Durchlässigkeit der Landschaft. Die gewonnenen Daten unterstützen die Naturparkverwaltung dabei, Managementpläne und Schutzmaßnahmen künftig gemeinsam mit Partnern wie der Jägerschaft und Waldbesitzenden gezielt weiterzuentwickeln.

 

Auch wenn die Wildkatze in Brandenburg in den vergangenen Jahren zu den Gewinnern unter den heimischen Wildtieren zählt, bleibt sie eine streng geschützte Art. Als Anhang IV Art der FFH-Richtlinie gehört sie zu den europaweit besonders zu schützenden Tierarten.

 

Ihr größtes Problem ist die starke Zersiedelung der Landschaft, gefolgt vom Straßenverkehr, der zu den häufigsten Todesursachen zählt. Hinzu kommt eine hohe Jungensterblichkeit: Nur etwa einer von vier Welpen erreicht das Erwachsenenalter. Aufgrund dieser geringen Reproduktionsrate und der anhaltenden Gefährdungen bleibt die Wildkatze weiterhin auf gezielte Artenschutzmaßnahmen angewiesen. Diesem Ziel dient auch das Wildkatzenmonitoring. Aus dem Monitoring kann abgeleitet werden, wie potenzielle Lebensräume besser vernetzt werden können – etwa durch Waldkorridore oder Grünbrücken über Straßen. Auch der Waldumbau hin zu naturnahen Laub- und Mischwäldern sowie die Wildnisentwicklung können die Rückkehr begünstigen.

 

Aufgrund der zwei positiven Hinweise in kurzer Zeit – darunter ein genetisch bestätigter Nachweis – wird das Monitoring in den kommenden Jahren fortgeführt.

 

Kontrolleure von Wildtierkameras, Jagdausübungsberechtigte und andere Beobachtende werden gebeten, Bildnachweise von Katzen aus dem Gebiet an die Naturparkverwaltung zu übermitteln – möglichst mit Datum/Uhrzeit und genauer Ortsangabe, gern auch mit GPS‑Koordinaten. Solche Hinweise helfen, das Monitoring gezielt zu steuern und weitere Vorkommen einzugrenzen.

 

Gebiet

  • Naturpark Dahme-Heideseen

Meldung vom 07.08.2026