Wolliger Schatz in der Dubrow
Der Wollige Scheidling (Volvariella bombycina) ist ein faszinierender Blätter- bzw. Lamellenpilz, der mit seinem seidig-wolligen Hut und der charakteristischen Volva an der Stielbasis nicht nur optisch beeindruckt, sondern auch ökologisch bedeutsam ist. Obwohl er als essbar gilt, sollte er nicht gesammelt werden – und das aus gutem Grund.
In Deutschland und in Brandenburg ist dieser Scheidling sehr selten geworden. Das hier gefundene Exemplar wurde in der Dubrow, im Naturpark Dahme-Heideseen, entdeckt. Er ist ein Totholzbewohner – und genau dieses Totholz findet sich nur noch selten in den Wäldern. Jeder entnommene Fruchtkörper des Pilzes bedeutet daher einen Verlust für die lokale Pilzpopulation – und damit für das gesamte Ökosystem.
In der Dubrow sorgen vielen alte Eichenbestände auch dafür, dass es hier noch den Hirschkäfer und den Heldbock gibt. Diese seltenen Käferarten brauchen alte Bäume, um zu überleben. Letztlich findet sich hier auch ein höherer Totholzanteil, der Lebensraum für zahlreiche weitere Insekten und Pilze, aber auch für Vögel und Säugetiere ist. Neben der Artenvielfalt hat Totholz noch weitere positive Eigenschaften: Es liefert Nährstoffe für den Boden, trägt zur Feuchtigkeitsregulierung und zur Humusbildung bei. Es dient dem Klimaschutz, indem es Kohlenstoff speichert und Wasser zurückhält. In Brandenburg wird Totholz zunehmend als Schlüsselressource für Biodiversität und Waldgesundheit anerkannt – etwa durch Projekte wie das Methusalem-Projekt, das alte und tote Bäume schützt.
Der totholholzbewohnende Wollige Scheidling schlüpft als "Baby" aus einer „Eihülle“, die beim herauswachsen des Fruchtkörpers als lappige Hauttasche an der Stielbasis zurückbleibt. Auffallend ist der seidig-haarige Hut, der bis zu 20 cm groß werden kann. Der Stiel wird bis zu 20 Zentimeter lang. Anzutreffen ist der Pilz von Juli bis September.
Er ist ein saprobiontischer bis parasitischer Bewohner von Holz ist. Saprophage sorgen für einen geschlossenen Stoffkreislauf in einem Ökosystem. Sie zersetzen das anfallende organische Material und nutzen die dabei entstehenden organischen Moleküle für ihren eigenen Energie- und Baustoffwechsel. Da sie selbst wieder Teil des Nahrungsnetzes eines Ökosystems sind, werden diese organischen Stoffe dem biogenen Stoffkreislauf zugeführt.
Der Wollige Scheidling ist somit mehr als nur ein hübscher Pilz – er ist ein Indikator für naturnahe Wälder und ein Symbol für die Bedeutung von Totholz. Wer ihn entdeckt, sollte sich freuen – und ihn stehen lassen, damit auch kommende Generationen seine Schönheit bewundern können. Ein Foto ist erlaubt – Sammeln jedoch nicht.
Gebiet
- Naturpark Dahme-Heideseen
Meldung vom 07.08.2025
